Kategorie-Archiv: Veranstaltungen

FC Barcelona vs. Paris Saint-Germain

FC Barcelona-Paris Saint Germain

FC Barcelona-Paris Saint Germain

Anfang Dezember war ich im Auftrag von Volkswagen für einen 3-Tages-Workshop bei Seat in Martorell. Neben der beruflichen Herausforderung gab es die Möglichkeit das legendere Camp Nou zu besuchen. Es stand das für den Gruppensieg entscheidende Spiel gegen Paris Saint-Germain an. Wenn dann die Torschützen Lionel Messi, Neymar, Zlatan Ibrahimovic und Luis Suarez heißen dann hat man sich das richtige Spiel ausgesucht. 82.500 Zuschauer – mein Kollege und ich saßen in Block 536 etwa in Höhe der Mittellinie aber doch relativ weit oben. Es genügte jedoch um die Stars auseinander zu halten.

Alles in allem ein schöner Höhepunkt für 4 Tage Barcelona – das nächste Mal möchte ich die Stadt gern bei Tageslicht sehen.

Nick Cave 20,000 days on earth

Gestern Abend war ich das erste Mal in Braunschweig im Kino. Ein sehr angenehmes kleines Programmkino in der Innenstadt. Hier muss ich demnächst wieder auftauchen.

Nick Cave hat einen Film gemacht. Ich habe ihn in der OmU-Fassung gesehen – alles andere macht eigentlich keinen Sinn – ich glaube auch nicht, dass es dafür eine synchronisierte Fassung gibt. Besser wäre es fast gewesen, wenn die Untertitel nicht da gewesen wären.

Nick Cave spricht ein ziemlich britisches klares Englisch. Dieser Film steht in einer Reihe mit grandiosen Konzerterlebnissen und einem sehr bemerkenswerten Buch. Für jeden Jünger eigentlich ein Muss – und man wird nicht enttäuscht!. Es gibt Musik – nicht vordergründig aber viel mehr verstehbar als es in einem einzelnes Konzert möglich ist. Nick Cave berichtet von seinem 20.000stem Tag auf Erden – er will damit suggerieren, dass es ein ganz normaler Tag für ihn ist – es fällt mir etwas schwer zu glauben, dass es ein „typischer“ Tag für ihn ist – aber er behauptet es.

Nick  möchte Bilanz ziehen – er erzählt sehr intensiv von seiner Kindheit, seinen (ersten) Erlebnissen mit Frauen oder von seinem Leben in Berlin. Er beschreibt seinen Antrieb für seine Arbeit – warum er Konzerte gibt oder was er von Studio-Sessions erwartet. Seine Mitstreiter haben angemessenen Raum und er nimmt sich selbst nicht wichtiger als nötig. Was mich berührt, ist die Tatsache, dass er sehr philosophisch wird und das man sein eigenes Leben dagegen halten kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ja – ich habe sogar erkannt, warum ich seine Art, Musik zu machen, so mag – ich kann jeden Gedanken seinerseits sehr nachvollziehen – man kann in machen Belangen fast von Seelenverwandtschaft sprechen.

Er schildert, wie ein Song entsteht – er lässt alte Weggefährten wie Blixa Bargeld und Kylie Minouge zu Wort kommen – und er huldigt seiner derzeitigen Heimatstadt Brighton. Nick Cave wirkt frisch, jung, intelligent und ausgeruht – es entsteht der unmittelbare Wunsch, das nächste Konzert auf jeden Fall zu besuchen und diesen Typen wieder hautnah schimpfend zu erleben.

Konzerte von Bob Dylan & Neil Young oder warum man doch ab und zu Äpfel mit Birnen vergleichen muss

Nehmen wir es vorweg. Ich habe die letzten Jahre sowohl Bob Dylan als auch Neil Young sehr oft live gesehen und dabei viele sehr schöne Abende erlebt. Leider geht in letzter Zeit die Schere bei den beiden Meistern etwas auseinander. Dylan spielte am 03.07.2014 in Zwickau und wirkt leider von Jahr zu Jahr immer klappriger.

03.07.2014 BobDylan in Zwickau

03.07.2014 BobDylan in ZwickauNN

Neil Young war am 26.07.2014 in Dresden an den Elbwiesen und er machte einen absolut fitten und vitalen Eindruck.

26.07.2014 - Neil Young in Dresden

26.07.2014 – Neil Young in Dresde

Klar, Dylan ist schon 73, Young „nur“ 68 – aber trotzdem wirkte Bob, der eine Meister, ein wenig überspielt. Die Hand macht Sorgen – es reicht nicht mehr zum Gitarre spielen. Was mich aber am meisten stört ist, dass er alle seine Songs nach dem gleichen Schema darbietet. Er scheint sich nicht um die geheimen Wünsche des treuen Publikums zu scheren – er zieht eben sein Ding durch.

Ganz anders bei Neil Young. Er spielt am Ufer der Elbe und hat extra für diesen Abend als Opener „Down by the River“ ausgewählt und jamt und rockt diesen Titel knappe 30(!) Minuten. Er bietet in diesem Stück alles was man als Fan so mag. Keiner verzerrt die Gitarre so gekonnt wie Neil Young. Es geht ein wahres Gewitter über das Publikum nieder. Das Soll für so ein Konzert ist bereits nach dem ersten Titel erfüllt – aber wir bleiben natürlich bis zum Ende. Zumal wir zu diesem Zeitpunkt schon drei Stunden in den Knochen haben, um vorn in der Mitte stehen zu können.

Als zweites spielt Neil Young den für mich perfekten Opener Powderfinger. So ging es schon letztes Jahr in Berlin (Waldbühne) los. Dieser Song elektrisiert ab dem ersten Akkord. Andere heben sich sowas für die Zugabe auf. Neil Young könnte den ganzen Abend solche Kracher spielen.

Wegen des langen ersten Songs wird wahrscheinlich der akustische Teil des Konzerts etwas gekürzt. Es gibt „nur“ Blowing in the wind und  Heart of Gold. Aber auch hier zeigen sich wieder die Unterschiede zum anderen alten Meister. Während Bob „sein“ Blowing in the Wind in exakt dem selben Stil wie die restlichen Songs spielt (also verfremdet auf 20er/30er Jahre Art) entwickelt Young den Song tatsächlich weiter. Wenn ein knapp 70 Jahre alter Mann Blowing in the Wind und Heart of Gold singt, kann das durchaus etwas albern wirken – nicht so bei Neil Young. Ihm nimmt man diese Songs ab – er spielt sie mit Einsatz und Überzeugung.

Er hat ein Thema, welches den gesamten Abend durchzieht. Am Eingang bekommt jeder Gast ein schwarzes T-Shirt. Bei den Männern steht „Earth“ drauf – bei den Frauen „protect“ – Young preist das T-Shirt während des Konzerts als „Geschenk“ – als Gegenleistung erwartet er, dass jeder „seinen Teil beiträgt“ – er redet mit dem Publikum und hat sichtlich Spaß – besonders bei den langen Jams. Er hat auch deutlich abgenommen und wirkt so, als ob wir noch lange nicht sein letztes Konzert erlebt haben. Dylan redet kaum drei Worte und macht eher einen griesgrämigen Eindruck – ich glaube er braucht mal eine Pause. Trotzdem werden wir wohl auch das nächste Mal wieder hingehen – er ist halt DIE Legende. Leider versteht man seine Texte wenig. Höhepunkt in Zwickau war für mich ein Bob-Dylan-Double, der vor der Stadthalle stand und noch eine Stunde nach Ende des Konzerts, den klassischen Dylan vor einem wachsenden Publikum gab – da merkte man, wie ausgehungert das Publikum nach dem Dylan der 60er und 70er Jahre war.

Neil Young stattdessen hat sich offensichtlich genau überlegt, was hier in Dresden zieht. Songs von der Mirror Ball CD waren genau so dabei, wie der Soundtrack zur politischen Wende im Osten Rocking in a free world.

Auf der Albertbrücke standen Dutzende Menschen und verfolgten das Konzert aus mindestens 300m Entfernung. Neil Young hatte auch für diese Fans einen Gruß und ein paar Worte. Das Areal war mit ca. 12.000 Plätzen etwas klein – wir hatten um die 30 Grad – aber die Dresdner Silhouette ist schon stark für so einen Abend. Ich war froh, dass Dylan in Zwickau und Young in Dresden gespielt hat. Ich drücke Bob die Daumen, dass ich auch noch einmal so euphorisch über ihn schreiben kann, wie ich es nach seinem Konzert in Cottbus oder vor Jahren auf der Peißnitz-Insel in Halle, oder unvergessen in Glauchau oder das letzte Mal in der Jungen Garde getan hätte. Und ich hoffe, dass Neil Young auch nächstes Jahr in der 500 Meilen Zone auftaucht.

Hier noch die Setlist vom Abend in Dresden:

01. Down By The River
02. Powderfinger
03. Standing In The Light Of Love
04. Days That Used To Be
05. Living With War
06. Love To Burn
07. Name Of Love
08. Blowin‘ In The Wind
09. Heart Of Gold
10. Barstool Blues
11. Psychedelic Pill
12. Rockin‘ In The Free World
13. Who’s Gonna Stand Up And Save The World

Peter Gabriel – Berlin, Waldbühne

Am Sonntag gab es ein außergewöhnliches Erlebnis auf der Waldbühne in Berlin. Peter Gabriel gab sich vor ausverkauftem Haus die Ehre und zog alle Register. Das besondere an diesem Konzert war das gleichhohe Niveau von Show, Sound und Performance. Die Show ist bis ins kleinste Detail exzellent inszeniert. Jeder Moment ist geplant, jede Bewegung einstudiert – grad vorn im Getümmel wird man mit optischen Reizen geflutet – sehr beeindruckend!

Peter Gabriel in Berlin auf der Waldbühne

Peter Gabriel in Berlin auf der Waldbühne

 

 

Das Konzert ist in drei Teile gegliedert. Peter Gabriel erklärt alles in deutsch – er liest dabei vom Zettel ab – es wäre vielleicht besser, wenn er es in englisch gemacht hätte – das deutsch ist nicht immer zu verstehen. Ungewöhnlich ist, dass er seine Musiker gleich am Anfang vorstellt – da haben sie noch gar nicht gemacht – wir stehen uns aber schon zwei Stunden die Beine in den Bauch – trotzdem gibt es Beifall – es sind die selben Musiker, die 1987 an gleicher Stelle die legendäre So-LP vorstellten. Es gibt an diesem Abend die gesamte Platte – jedes Lied ausgefeilt und mit tollen Farben untermalt.

Am Ende verabschiedet er sich mit „Biko“ – jenem Song, der auch schon fast 40 Jahre auf dem Buckel hat. Er lässt das Publikum den bekannten Refrain mitsingen – dabei verabschiedet sich einer nach dem anderen von der Bühne. Erst als der Drummer aufhört, müssen auch wir einsehen, dass das Ende gekommen ist.

Hier ein guter Artikel aus der Berliner Morgenpost.

2014_05_25_Peter_Gabriel

Ton Steine Scherben im Werk 2

Aller fünfzehn Jahre erlebe ich etwas besonderes am Vorabend meines Geburtstages. 1984 wird kurz vor meinem 15.Geburtstag Konstantin Ustinowitsch Tschernenko zum Staatsoberhaupt der Sowjetunion gewählt, 1999 zum Dreißigsten erlebte ich das erste und einzige Mal in meinem Leben den leider schon verstorbenen Georg Kreisler live auf der Bühne in Leipzig und am Vorabend meines 45.Geburtstages spielen Ton Steine Scherben im Werk 2. Leider ohne Rio Reiser (hier ein Talk Show-Mitschnitt von 1995, der sehr authentisch ist) – aber man verteilt den Gesang sehr geschickt auf mehrere Schultern. Für die Lieder in denen ordentlich geschimpft und gebellt wird, gibt es einen tollen Sänger (Nico Rovera, 19 Jahre alt), der noch nicht geboren war, als ich die Lieder kennenlernte.

Nicolo Rovera – origineller Vertreter von Rio Reiser bei Ton Steine Scherben

Drei weibliche Stimmen bringen eine ganz andere Note rein und sind ganz nebenbei auch etwas fürs Auge (insbesondere Ella-Josie Erbsen, Tochter des Scherben-Gitarristen R.P.S. Lanrue, mit Blume im Haar und origineller Art zu performen).

Der Tontechniker, der sich vor der Bühne platziert hat, ist ein Foto wert:

Tontechniker aus Passion

Tontechniker aus Passion

Man hat auch zwei prominente Special Guests geladen: Sebastian Krumbiegel versucht sich an Halt Dich an Deiner Liebe fest. Er übertreibt es nicht mit seiner Präsenz und kommt gut rüber:

Sebastian Krumbiegel - Halt Dich an Deiner Liebe fest

Sebastian Krumbiegel – Halt Dich an Deiner Liebe fest

Lange im Ohr bleibt Der Turm stürzt ein mit Sergej Klang von Brockdorff Klang Labor, einer Leipziger Elektropop-Band.

Setlist:

Das Konzert ganz vorn in der Mitte zu erleben, ist ein besonderes Erlebnis. Es wurde auch ordentlich getanzt und gehüpft, sodass ich gut durchgeschwitzt den kurzen Nach-Hause-Weg antrat. Ich bin bereits heute gespannt, was zu meinem 60.Geburtstag geboten wird.

Ticket Ton Steine Scherben am 16.04.2014 im Werk 2

Ticket Ton Steine Scherben am 16.04.2014 im Werk 2

Judith Holofernes – Werk 2, Leipzig

Montag Abend 19:00 – mein angesetztes Tischtennis-Match ist bereits gewonnen – wenn auch kampflos – Kinder friedlich – kurz nachgedacht – mal schauen, was heute im Werk 2 los ist. Judith Holofernes gibt sich die Ehre. Nachdem es Wir sind Helden nicht mehr gibt, tourt sie allein durch Deutschland. Ja, das ist ein Versuch wert. Ich mag ihre Texte und die Art, sie vorzutragen. Also spaziere ich zum Werk 2, kaufe ein Ticket und betrete die Halle. Kurzes Staunen – ich bin etwa Gast Nummer zwölf. Na da steht ja einem guten Platz in der ersten Reihe nichts mehr im Wege.

Immerhin gibt es sogar eine Vorband. Nun ja – melancholisch könnte man formulieren – bissel leise und übervorsichtig trifft es aber auch. Im Backstage-Bereich kann ich zwei Kinder erkennen – ich nehme an, es sind die Kinder des Hauptacts. Als Frau Holofernes die Bühne betritt, winkt sie den beiden auch immer kurz zu. Die kleine Tochter hat Ohrenschützer auf, der größere Sohn scheint schon im schulfähigen Alter zu sein, was Fragen bei mir aufwirft. Beide staunen was die Mama da so macht. Ob sie die Texte auch verstehen, frage ich mich – ich zumindest habe anfangs Schwierigkeiten sie zu verstehen. Aber das wird im Laufe des Abends besser.

Sie widersteht der Möglichkeit, alte Wir-sind-Helden-Kracher zu intonieren und konzentriert sich ganz auf ihre Solo-Karriere. Das ist angenehm. Neben selbst geschriebenen Liedern kommen auch immer wieder Cover-Versionen anderer Künstler zum Einsatz. Höhepunkt sicher die letzte Zugabe: eine deutsche Version des Stones-Klassikers „You can’t always get what you want“ – angeblich erst am Vorabend entstanden.

Judith Holofernes im Werk 2

Judith Holofernes im Werk 2

Alles in allem ein leichtes Konzert zum Wochenanfang. Man merkt ihr den Spaß an der Musik an – aber ich fühle mich schon etwas alt unter dem überwiegend studentischem Publikum. Aber so ist das Leben!

Ticket Judith Holofernes im Werk 2 in Leipzig

Ticket Judith Holofernes im Werk 2 in Leipzig

John Mayall im Anker zu Leipzig

Der Frühling ist nun endgültig da – man kann wieder zur Mucke radeln – quer durch Leipzig und doch sind es nur um die acht Kilometer.

Der Anker schließt. Er ist marode und muss für über 3 Mio saniert werden. Angeblich besteht die Gefahr, dass einem Dachbalken auf den Kopf fallen. Ende des Jahres soll der Saal wieder öffnen. Die Küche reicht Fettbemmen und mit Ei belegte Brote. Ich überlege noch, ob ich bei Jan Böhmermann heute Abend im Werk 2 doch besser aufgehoben gewesen wäre – aber wie sich herausstellen wird, habe ich alles richtig gemacht!

Zum großen Finale hat man sich eine Legende eingeladen. Auf die Bühne kommt ein etwas klapprig wirkender Herr – er ist vor einem Vierteljahr 80 geworden (deshalb auch der Tour-Titel). Was dann aber in den nächsten zwei Stunden passiert kommt einer Metamorphose gleich. Er spielt, erzählt, hüpft, headbangt mit einer Vitalität die mehr als erstaunlich ist. Im März und April spielt er knapp fünfzig Auftritte in ganz Europa.

Ticket - John Mayall im Anker zu Leipzig

Ticket – John Mayall im Anker zu Leipzig

John Mayall ist der Chef auf der Bühne. Er spielt Keyboard, Gitarre und Mundharmonika – fast ohne Pause. Begleitet wird er von zwei Gitarristen. Mich wundert immer wieder, welche Dynamik manche beleibte ältere Herren an der Gitarre entwickeln können, wenn sie einmal los gelassen werden – Rocky Athas heißt ein mehr als überzeugender Vertreter dieser Gattung Musiker. Das andere Extrem ist der Bassist Greg Rzab – sehr zurückhaltend in seinem Spiel, stets smart lächelnd – aber er weiß, was er drauf hat und wartet auf seine Momente, die er dann auch ausgiebig auskostet. Power geht vom Schlagzeuger Jay Davenport aus. Wie eine alte Lock stampft er durch die klassischen Blues-Rhythmen. Kleiner Höhepunkt ist, als John Mayall seinen Neffen mit Saxophon auf die Bühne bittet. Er bringt den Shuffel nochmal richtig auf Touren – leider nur für diesen einen Song. Ich komme so nach ca. 60 Minuten in dieses typische Konzertfeeling. Der Körper bewegt sich von alleine,
alle anderen Gedanken verschwinden – man taucht so richtig ein in die Bassläufe und Gitarrensoli – es könnte dann ewig so weitergehen.

Greg Rzab, Jay Davenport, John Mayall, Rocky Athas (v.l.n.r)

Greg Rzab, Jay Davenport, John Mayall, Rocky Athas (v.l.n.r)

Aber viel zu schnell kommt die Zugabe – diese mal nur eine einzige – aber die Band hat alles gegeben. Ich schaue mich noch etwas im Anker um – das Haus hat in 140 Jahren viel erlebt – vieles ist mit Aushängen gut dokumentiert. Dann radle ich gut duchgeschwitzt und fröhlich nach Hause.

BAP – Gewandhaus in Leipzig

Komme gerade aus dem Gewandhaus. Bildungslücke geschlossen. Nicht mehr und nicht weniger! BAP war in Leipzig zu seiner BAP zieht den Stecker Tour. BAP unplugged durften sie es nicht nennen, das hat MTV verboten – der Begriff ist mittlerweile geschützt.

Eintrittskarte - BAP - 26.03.2014 im Gewandhaus zu Leipzig

Eintrittskarte – BAP – 26.03.2014 im Gewandhaus zu Leipzig

Das Gewandhaus ist ausverkauft. Annett und ich haben keine zusammenhängenden Plätze. Das ändert sich nach der Pause – vor der Pause hat man im Gewandhaus immer die Gelegenheit nach besseren (zusammenhängenden) Plätzen Ausschau zu halten. Unterhalb der Technik ist eigentlich immer was frei.

Es ist also ein vollkommen akustisches Konzert – das macht es für mich ein wenig langweilig – zumal ich in amerikanischen Serien in Originalfassung mehr verstehe als von den gesungenen BAP-Texten. Gerade bei einer Band, die von den Texten lebt, fehlt mir an dieser Stelle etwas.

BAP im Gewandhaus - wie im Wohnzimmer

BAP im Gewandhaus – wie im Wohnzimmer

Aber live ist live – also immer ein Erlebnis. Wolfgang Niedecken erzählt schöne Geschichten, äußert sich auch sehr demütig zum Gewandhaus. Das und seine Geschichten machen ihn sympatisch. Die Bühne ist wie ein Wohnzimmer eingerichtet – alte Teppiche, jede Menge Instrumente, die mit der Zeit auch alle zum Einsatz kommen. Das macht das Konzert spannend – herausragend der marokanischen Percussionist Rhani Krija – der bedient seine Trommeln über drei Stunden lang ausschließlich mit den Händen und hat den „Alterspräsidenten“ (so hat ihn Niedecken vorgestellt) mit seinem Schlagzeug an den Rand verdrängt. Überhaupt war ich am Ende überrascht als ich auf die Uhr schaute – die Kapelle hat uns tatsächlich fast 200 Minuten unterhalten. Alles in allem doch ein gelungener Abend auch wenn ich kaum etwas verstanden habe.

Mitch Ryder & Engerling in der Moritzbastei

Eintrittskarte Moritzbastei 18.03.2014

Eintrittskarte Moritzbastei 18.03.2014

Mitch Ryder zusammen mit Engerling in der MB – so soll also das Konzertjahr 2014 für mich beginnen. Ein alter Haudegen mit Sonnenbrille betritt die Bühne – er erinnert mich etwas an Van Morrison – aber nur vom Aussehen. Seine Musik ist unverwechselbar und professionell dreckig-galliger Blues. Wir stehen unmittelbar vor der Bühne. Livemusik ist immer etwas besonderes – steht man in Reihe 1 ist das Ganze nochmal deutlich intensiver – man kann den Musikern herrlich bei der Arbeit zusehen und bemerkt wie viele Details dazu gehören – trotzdem sieht alles spielerisch leicht aus.

Mir gefällt besonders, dass hier nicht die Legende im Vordergrund steht, sondern die Band genügend Raum erhält, richtig die Sau rauszulassen. Toll sind die beiden Gitarristen. Heiner Witte und natürlich Pitti Piatkowski – vielleicht DER ostdeutsche Gitarrist. Bei den Gitarreros wurde er geadelt. City, NO55, Modern Soul Band und Renft – der Typ hats wirklich drauf und ich stand zwei Meter neben ihm – sehr charismatisch in seinem Spiel. Am Bass überzeugte Manne Pokrandt der von Mitch mehrfach in höchsten Tönen gelobt wurde und dieser Lorbeeren mit einem ehrlichen und uneitlen Auftritt sehr gerecht wurde. Am Keybord Wolfram Bodi Bodag – der Kopf von Engerling. Am Schlagzeug gab es Support von Ronny Dehn. Den hatte man hinter einer durchsichtigen Plastikwand versteckt – muss wohl akustische Gründe haben.

Bodi Bodag, Wolfram Witte, Mitch Ryder, Pitti Piatkowski (v.l.n.r.)

Bodi Bodag, Wolfram Witte, Mitch Ryder, Pitti Piatkowski (v.l.n.r.)

Erwähnen muss ich in diesen Zusammenhang unbedingt einen Artikel in der Zeit – wer Mitch Ryder noch nicht kennt erfährt hier alles wichtige. Mir ging es so – ich hatte ihn noch nie gesehen oder gehört und fand es sehr angenehm ein ganzes Konzert mit für mich unbekannten Songs zu hören. Songs die sofort reingehen und es für mich zu einer Lust machen, diese Zeilen zu schreiben. Ein Song war mir natürlich bekannt – das war zugleich der Höhepunkt des Abends. All Along The Watchtower als Hommage an Jimi Hendrix – sehr eindrucksvoll.