Andreas Altmann – Reise durch einen einsamen Kontinent

Reise_durch_einsamen_Kontinent

Es gibt Bücher, die bewegen etwas. Ein solches ist das Buch von Andreas Altmann „Reise durch einen unbekannten Kontinent – Unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile„. Ich bekam das Buch zu Weihnachten von meiner lieben Annett geschenkt und habe es in wenigen Tagen aufgesogen. So müsste man schreiben können. Alles ist dicht gedrängt und es ist kein klassischer Reiseführer oder Reiseroman. Nicht die Erfahrungen in grandioser Natur stehen im Vordergrund – keine Berge, Seen, extremen Verhältnisse wie Hitze, Kälte, Höhe usw. sondern einzig und allein Erlebnisse mit Menschen werden in einem atemberaubenden Tempo und in großer Dichte erzählt.

Nach wenigen Seiten legte ich mir einen Stift zur Seite, um manche Passagen zu markieren – hier einige Ausschnitte:

  • Ich vermute, dass ich meine Refexe überprüfen will. Jenen Reflex vor allem, mit wenig leben zu können. Oder ob ich schon einknicke und nach Komfort Ausschau halte, nun endlich ein Wohlfühl-Kasper geworden bin, den keine andere Leidenschaft mehr antreibt, als sich ununterbrochen wohlzufühlen.
  • Es gibt ein Menschenrecht auf Allein-sein-Dürfen.
  • Wir sterben nicht an den Gefahren, wir sterben an unserer Angst vor diesen Gefahren.
  • Wie bei Señora Botero de Mejia aus der Calle 66 in der kolumbianischen Hauptstadt. Sie nährt ihr Herz mit der Fürsorge um andere. Glücklich wohl jeder, in dem ein Feuer lodert.
  • Ein Krieger darf den Kopf nicht hängen lassen, denn dabei würde er den Blick auf den Horizont seiner Träume verlieren.
  • Erst wenn man unterwegs ist, begreift man, dass die größte Entfernung die größten Illusionen weckt und dass Alleinsein sowohl Vergnügen als auch Strafe ist. (Paul Theroux)
  • Bobby Leech war ein Haudegen, schloss sich 1911 in ein Fass ein und jagte die Niagarafälle hinunter. Und überlebte. Klar, verbeult, zerschunden, aber am Leben, bald schon wieder einsatzfähig. Jeder der bereits neben dem Weltwunder stand, hat eine Ahnung, wie gering die Aussichten für den Waghalsigen waren, heil davonzukommen. Aber die Story geht weiter. Jahre später wandert Mister Leech nach Neuseeland aus, wandert über einen Bananenschale, rutscht aus und bricht sich das Genick. Das ist selbstverständlich auch eine lustige Geschichte, weil sie uns Mut macht und jeder Vorhersehbarkeit widerspricht, zweimal widerspricht. Auf überraschende Weise verringert sie unseren Angstpegel.

Für mich ist das Buch auch deshalb so wichtig, weil Altmann ziemlich genau auf der Fährte wandert, die ich zusammen mit Annett 2000/2001 ebenfalls durch Südamerika entlang reiste. Viele Städte hat er ganz anders und intensiver erlebt als wir damals – manche Erlebnisse ähneln sich auch – da ist der Schuhputzer mit den intelligenten Augen, die Bergleute in Potosi, die schlafenden Europäer in den Bussen, die das wirklich interessante dadurch verpassen.

Für mich ist dieses Buch auch der Anlass, in meinem Blog von den Büchern zu berichten, die ich gelesen habe.

 

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